Chorreise nach Prag
vom 25. bis 28.
November 2011
Ein Reisebericht von Ursina Sonderegger mit Fotos von Jürg Heubi
Reisevorbereitung
Fast 2 Jahre sind es her, seit Heidy Frei dem Gemischten Chor vorschlug, im Advent 2011 nach Prag zu reisen ans jährliche Adventssingen, an dem Chöre aus der ganzen Welt teilnehmen. Würden sich wohl genügend Interessentinnen und Interessenten finden? Mindestens 12 müssten es sein, überlegte der Vorstand. Aber es kam anders: Wer hätte sich diese tolle Reise entgehen lassen wollen! 42 begeisterte Sängerinnen und Sänger kamen mit. Es war wunderschön!
Aufbruch nach Prag
Die einen stellten nicht nur einen, sondern zwei Wecker, um wirklich genug früh zu erwachen, denn um 5.45 Uhr brachte uns ein Car von Langnau an den Flughafen Kloten. Bis das Flugzeug abhob, reichte es noch für einen Kaffee. Bei schönstem Wetter schweifte unser Blick übers Matterhorn zur Bernina. Bald landeten wir in Prag, wo uns ein Bus ins Stadtzentrum fast vor die Tür des Hotels Christie fuhr. Unsere Reiseleiterin Heidy Frei hatte von A bis Z alles bis ins Detail prima rekognosziert und geplant. Nach dem Beziehen der Zimmer blieb Zeit, auf eigene Faust die Prager Altstadt zu erkunden und einander die ersten Souvenirs zu zeigen, von Marionetten über Haarspangen bis zu kunstvollen Gläsern und farbenfrohen Weihnachtskugeln aus dem berühmten böhmischen
Üben in Prag
Um 16 Uhr hiess es dann: Chorprobe im Gewölbekeller des Hotels. Es wurde geübt und gefeilt, an Kirchenmusik ebenso sehr wie an Volksliedern, lateinisch und in allen 4 Landessprachen. Am Abend führte uns Pavla, unsere Prager Stadtführerin, zum schönsten Platz, dem Altstädter Ring, in ein feines Restaurant. Um 21 Uhr bewunderten wir die berühmte astronomische Uhr am Rathaus, bei der die Apostel jede Stunde erscheinen und in windiger Höhe ein Turmbläser spielt. Vom langen Tag müde, schlenderten fast alle zum Hotel zurück ausser jenen Unermüdlichen, welche die Karlsbrücke by night bereits am ersten Abend sehen wollten. Am Samstagmorgen erwartete uns ein ausgezeichnetes Frühstücksbuffet. Um 9.30 Uhr war Abmarsch mit Pavla. Nach einigen wenigen Stationen mit der Strassenbahn zeigte und erklärte sie uns die Altstadt jenseits und diesseits der Moldau und natürlich die Karlsbrücke, von welcher der Heilige Nepomuk gestürzt worden war. Es wimmelte von Menschen. Bis um 15 Uhr hatten wir den Tag zu unserer Verfügung, dann war wiederum eine Probe angesagt, gaben wir doch abends um 18 Uhr im Liechtensteinpalast unser erstes Konzert.
Singen in Prag
In einem prächtigen Konzertsaal durften wir auftreten, zusammen mit 2 anderen Chören, einem aus Deutschland und einem aus Prag. Jeder Chor hatte ein Programm von einer knappen halben Stunde ausgearbeitet mit Musik aus dem eigenen Land. Zum Schluss sangen alle Chöre gemeinsam im Kanon ein Halleluja. Ums Jubeln war es uns ja allen zu Mute! Daraufhin wurden wir im Kloster Strahov verwöhnt mit tschechischem Essen, Musik und Tanz. Die einen gönnten sich den Heimweg von der Burg hinunter über die Karlsbrücke bis ins Hotel zu Fuss. Tatsächlich, die Karlsbrücke bei Nacht ist kaum zu übertreffen mit der Kulisse der beleuchteten Kirchen, Burgen, Häuser und Brücken. Fast ein bisschen wie im Märchen. Man reibt sich die Augen und denkt: Träume ich das bloss, oder ist es wahr? Glücklich sanken wir ins Bett. Und kamen auch am Sonntagmorgen nicht aus dem Staunen heraus: Da standen wir vor dem Portal des Veitsdoms, der Kirche der Hofburg, und wussten’s und konnten’s doch kaum fassen: Hier dürfen wir nun im Gottesdienst singen! Die Schönheit dieser Kirche liess uns die Kälte im Innern – es war 7 Grad „warm“– fast vergessen. Aber Skiunterwäsche und Handschuhe schafften etwas Abhilfe. Während der Messe glitt plötzlich eine Elster elegant durchs Kirchenschiff. Nach dem tschechischen Nationalmenu – Gulasch mit Semmelknödel – traten wir um 14 Uhr in der Nikolauskirche beim Altstädterring auf. Das ist die Kirche der Hussitengemeinde, der tschechischen Reformierten. Nach dem Nachtessen brachen die einen auf ins Schwarze Theater, andere streiften durch den Weihnachtsmarkt am Altstädter Ring oder erlebten auf der Karlsbrücke ein Glasharfenkonzert erster Güte.
Abschied von Prag
Auch am Montag nahm sich Pavla Zeit für uns. Wir fuhren nochmals zur Burg und bewunderten die vielen verschiedenen Gebäudefassaden, die kleinen Gässchen, den Blick über die Moldau und über die Stadt. Vier Stunden blieben jetzt noch bis zur Abreise. Wer sie nicht nutzte zum Mittagessen und zum „Käfele“, gab die letzten Kronen für Souvenirs aus oder besuchte die Synagogen und Museen des jüdischen Viertels, wo uns eine dunkle Seite der Vergangenheit begegnete: Auf den Wänden einer Synagoge stehen unendlich viele Namen all jener Prager Juden – Frauen, Männer und Kinder - , die im 2. Weltkrieg deportiert worden sind. Auch dies gehört zur Geschichte Prags. Um 16 Uhr trafen wir uns im Hotel, Ein Bus brachte uns in den Flughafen, und wir flogen überglücklich und begeistert über diese tolle gemeinsame Zeit in Prag nach Hause. Unserem Dirigenten Christian Alpiger und unserer Reiseleiterin Heidy Frei dankt der ganze Chor ganz herzlich für ihre grosse Arbeit!